Erschöpfung entsteht selten an einer Stelle. Sie entsteht im Zusammenspiel. Deshalb arbeite ich mit fünf Ebenen, die zusammen über Leistungsfähigkeit entscheiden. Das ist die
HERO-Methode.
Ebene 1 ist die Persönlichkeit und die inneren Antreiber. Was treibt jemanden an, welches Programm läuft im Hintergrund? Wer einen starken Antreiber „Sei stark" oder „Sei perfekt" mitbringt, hat selten eine Pausetaste, die wirklich funktioniert. Taibi Kahler hat diese Muster in der Transaktionsanalyse beschrieben. Sie sitzen so tief, dass sie sich wie Charakter anfühlen.
Ebene 2 ist Arbeit und Organisationskontext. Erschöpfung ist kein rein individuelles Thema. Sie entsteht in Systemen, die mehr fordern als sie zurückgeben. Johannes Siegrist nennt das die Effort-Reward-Imbalance. Wer dauerhaft mehr einbringt als er bekommt, an Anerkennung, Spielraum, Sicherheit, der zahlt das körperlich.
Was nachlassende Leistungsfähigkeit von Führungskräften betriebswirtschaftlich bedeutet, habe ich an anderer Stelle ausgeführtEbene 3 ist die innere Haltung, das Bewertungsmuster. Nicht die Situation entscheidet, ob Stress entsteht, sondern wie wir sie bewerten. Richard Lazarus hat dazu die Grundlagenforschung gemacht. Jede Anforderung wird in Sekundenbruchteilen eingeschätzt. Bedrohung oder Herausforderung. Schaffbar oder zu viel. Wer diese Einschätzungen jahrelang eingeschliffen hat, läuft auf Autopilot.
Ebene 4 ist Erholung. Schlaf, Abschalten, körperliche Wiederherstellung. Die Ebene, die am ehesten vernachlässigt wird und am dringendsten gebraucht.
Ebene 5 sind die sozialen Beziehungen. Wer in echten Verbindungen lebt, trägt Belastung anders als jemand, der das alleine versucht. Das ist keine Wellness-Aussage. Das ist gut belegt.
Wer nur an einer Stelle schaut, übersieht das Zusammenspiel. Wer alle Ebenen im Blick hat, kommt der Wahrheit über die eigene Leistungsfähigkeit näher als jeder einzelne Indikator.