Burnout-Selbsttest für Führungskräfte: Was er kann und was nicht

Wann ein Online-Test sinnvoll ist und worauf Sie achten sollten

Kurz vorab: Ein guter Burnout-Selbsttest hilft Führungskräften, Anzeichen früh zu erkennen und einzuordnen, wo sie gerade stehen. Er ersetzt keine Diagnose, ist aber ein sinnvoller erster Schritt, wenn man unsicher ist. Worauf es bei einem seriösen Test ankommt und welche Tests Führungskräften wirklich weiterhelfen, steht hier.

Direkt zum HERO-Selbstcheck für Führungskräfte
Im Netz gibt es Dutzende Burnout-Selbsttests. Zwölf Fragen, ein paar Klicks, am Ende ein Balken in Rot oder Grün und der Hinweis, sich gegebenenfalls an einen Arzt zu wenden. Damit ist niemandem geholfen, der wirklich wissen will, wie es um seine Belastung steht.

Trotzdem haben diese Tests einen Wert. Nicht den, den sie versprechen, aber einen klaren.

Wofür ist ein Burnout-Selbsttest gut?

Ein Selbsttest zwingt zur Ehrlichkeit. Führungskräfte sind geübt darin, Erschöpfung wegzuerklären. Es ist eine Phase, das Quartal ist hart, nach dem Urlaub wird es besser. Solche Sätze laufen automatisch. Ein Test unterbricht diesen Automatismus für zehn Minuten und stellt Fragen, die im Alltag niemand stellt.

Wann haben Sie zuletzt richtig abgeschaltet. Wie fühlt sich der Sonntagabend an. Werden Entscheidungen schwerer als früher. Schon die Konfrontation mit solchen Fragen leistet etwas, auch bevor die Auswertung kommt.

Außerdem schafft ein Test eine Sprache. Wer noch keinen Begriff für seinen Zustand hat, bekommt einen. Erschöpfung. Distanzierung. Reduzierte Leistungsfähigkeit. Wer diese Worte hat, kann darüber reden. Mit dem Partner, mit dem Hausarzt, mit sich selbst.

Vier Kriterien für einen guten Burnout-Selbsttest

Nicht jeder Test taugt. Vier Dinge sind entscheidend.

Die Grundlage muss seriös sein. Wer hat den Test entwickelt, auf welcher Forschung basiert er? Gute Tests nennen Quellen, oft das Maslach Burnout Inventory, das Copenhagen Burnout Inventory oder ähnliche etablierte Modelle. Wer keine Quelle nennt, hat meist auch keine.

Der Test muss mehr als ein Symptom abfragen. Erschöpfung hat mehrere Dimensionen. Körperlich, emotional, mental. Und sie entsteht in unterschiedlichen Bereichen. Bei der Arbeit, im Privaten, in den eigenen Antreibern. Zehn Fragen reichen dafür nicht. Vierzig sind realistisch.

Der Test muss zur Zielgruppe passen. Führungskräfte tragen andere Belastungen als Sachbearbeiter. Sie können selten offen sagen, dass sie nicht mehr können. Sie identifizieren sich stärker mit ihrer Rolle. Ein generischer Test, der für alle Berufsgruppen gleich ist, geht an dieser Realität vorbei.

Die Auswertung muss weiterführen. Ein PDF mit einem Score ist eine Sackgasse. Eine schriftliche Einordnung ist besser. Eine persönliche Auswertung von jemandem, der das Profil tatsächlich anschaut, ist die wertvollste Form.

Welche Frühwarnzeichen ein Test typischerweise abfragt

Die häufigsten Symptome, die Führungskräfte selbst übersehen und die ein guter Selbsttest erfasst, sind diese: Erholung wirkt nicht mehr, der Urlaub bringt keine Energie zurück. Entscheidungen werden zögerlicher. Aus Gestaltungswillen wird Zynismus. Einfache Aufgaben kosten plötzlich Kraft. Der Körper meldet sich mit Verspannungen, Kopfschmerzen, Infekten. Die Stimmung wird gereizt oder leer.

Wer in mehreren dieser Bereiche etwas wiedererkennt, sollte genauer hinschauen. Eine ausführlichere Beschreibung der typischen Frühzeichen aus Sicht einer Führungskraft steht in „7 Burnout-Frühzeichen bei Führungskräften erkennen"

Der HERO-Selbstcheck

Mein eigener Selbstcheck arbeitet nach diesen vier Kriterien. Er hat vierzig Fragen, geordnet nach fünf Ebenen, die zusammen über Leistungsfähigkeit entscheiden. Persönlichkeit und innere Antreiber, Arbeit und Organisation, innere Haltung, Erholung, soziale Beziehungen. Die Grundlage ist die HERO-Methode, mit der ich seit Jahren mit Führungskräften arbeite.

Was den Selbstcheck von Standard-Tests unterscheidet, ist die Auswertung. Sie kommt nicht aus einem Algorithmus, sondern von mir persönlich. Ich schaue jedes Profil an, ordne es ein und schicke eine Einschätzung, was als nächster Schritt sinnvoll wäre. Oder ob überhaupt einer.

Wer vor dem Test verstehen will, warum die eigene Wahrnehmung unter Stress so unzuverlässig wird, kann das in „Wo stehen Sie gerade?"nachlesen.

Den Selbstcheck finden Sie auf jo-vitality.de/selbstcheck. Zehn Minuten, anonym, kostenlos.

Häufige Fragen

Wie aussagekräftig ist ein Burnout-Selbsttest? Ein guter Selbsttest gibt einen ersten Hinweis darauf, ob Anlass besteht, genauer hinzuschauen. Er ist keine Diagnose, sondern eine Reflexionshilfe. Die Aussagekraft hängt davon ab, wie ehrlich man antwortet.

Kann ein Online-Test einen Burnout feststellen? Nein. Burnout ist klinisch komplex und überlappt mit anderen Diagnosen. Eine echte Diagnose gibt nur ein Arzt oder Therapeut. Ein Selbsttest zeigt höchstens, dass es Zeit ist, sich diese Diagnose zu holen.

Was ist der Unterschied zwischen Burnout und normaler Erschöpfung? Normale Erschöpfung verschwindet mit Erholung. Burnout-typische Erschöpfung verschwindet nicht mehr, auch nicht nach einem Urlaub. Der Körper hat das System Erholung verlernt. Ein guter Test erfasst genau diese Unterscheidung.

Wie oft sollte man einen Selbsttest machen? Einmal im Jahr ist sinnvoll für Führungskräfte, die langfristig auf Niveau bleiben wollen. Häufiger nur, wenn ein konkretes Bild von Veränderung gebraucht wird, etwa während oder nach einer Coaching-Begleitung.

Was passiert mit den Daten? Bei seriösen Anbietern bleiben die Daten beim Anbieter. Im HERO-Selbstcheck werden die Angaben ausschließlich für die Auswertung genutzt, kein Newsletter, kein Verkauf, keine Weitergabe.

Was sollte ich nach dem Test tun? Das hängt vom Ergebnis ab. Im HERO-Selbstcheck kommt die Antwort darauf mit der persönlichen Auswertung. Bei generischen Tests muss man selbst entscheiden, ob man zum Hausarzt geht, mit jemandem spricht oder das Ergebnis ignoriert. Letzteres ist die häufigste Reaktion und meistens die falsche.
Autor: Jens Olberding Systemischer Coach & Therapeut, spezialisiert auf Burnout-Prävention und dauerhafte Leistungsfähigkeit für Führungskräfte im Mittelstand. Gründer von jo-vitality.
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